Heimische Schüler bereiten Gedenkfeier zur Reichspogromnacht vor
Zum 73. Mal jährt sich am 9. November die Reichspogromnacht, in der auch in Dormagen die Fensterscheiben jüdischer Geschäfte und Häuser zersplitterten. Betroffen waren mehrere Familien aus der Innenstadt, die von der SA beraubt und verhaftet wurden. Diesen Opfern ist die Gedenkfeier gewidmet, die der Partnerschaftsverein Dormagen-Kiryat Ono, das städtische Kulturbüro und die heimische Stolpersteine-AG am Mittwoch, 9. November, um 18 Uhr auf dem jüdischen Friedhof an der Zonser Heide ausrichten. Die Gedenkfeier wird von Schülern der Realschule in Hackenbroich und der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule sowie zwei weiteren jungen Dormagenern mit Wort- und Musikbeiträgen mitgestaltet. Die Ansprachen halten Vize-Bürgermeister Hans Sturm und Dr. Heinz Tenhafen, Ehrenvorsitzender des Partnerschaftsvereins. Beide hoffen auf eine ähnlich große Resonanz wie in den Vorjahren, als jeweils rund 250 Dormagener, darunter viele Jugendliche, der Opfer gedachten und somit deutliche Zeichen gegen Fremdenhass setzten.
Der Gedenkfeier schließt sich gegen 19 Uhr in der nur wenige Hundert Meter entfernten Zonser Friedenskirche an der Ecke Lessingstraße/Eichendorffstraße die musikalische Lesung „Kaddisch für ein nicht geborenes Kind“ an. Das Jüdische Theater Tacheles aus Köln beleuchtet den Roman aus der Feder des jüdisch-ungarischen Schriftstellers Imre Kertész. Björn Lukas liest aus einer Textfassung von Sophie Brüss und wird am Klavier von Axel Weggen begleitet. „Kaddisch für ein nicht geborenes Kind" ist ein Monolog des Erzählers, der diesen Monolog aus innerem Zwang führt. Immer wieder kehren grausame Erinnerungen zurück. Der Zwang für den Erzähler zum Nachdenken wird zur vernichtenden Sucht, die sich stets vergrößert und den Protagonisten quält. Er analysiert sein Leben und erinnert sich an Auschwitz. Eine Erinnerung ruft eine andere hervor. Dieses Kaddisch – Trauergebet – gilt einem Kind, das es nie geben wird, da sich der Autor weigert, nach Auschwitz Leben zu zeugen.
Die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 bildete den Auftakt der systematischen Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten. Ab dem 10. November wurden ungefähr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, wo nochmals Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben. Fast alle Synagogen und viele jüdische Friedhöfe in Deutschland und Österreich wurden zerstört. In Dormagen traf es auch die Familie von Louis Dahl, die auf der Kölner Straße eine Metzgerei führte. Das Geschäft war für die damalige Zeit bereits modern mit Marmortheke und Kacheln ausgestattet. Es wurde von der SA und Dormagener Bürgern geplündert und zerstört, danach musste die Familie Dahl es schließen. Nachbarn kauften den Laden zu einem minimalen Preis, den die Familie nie erhalten hat. Die in Dormagen noch lebenden Juden wurden in der Reichspogromnacht verhaftet. Fragen beantwortet das städtische Kulturbüro, Telefon 02133/257-338.
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Rock-Nostalgie und Riesen-Begeisterung auf der Zonser Freilichtbühne
Martin Turner, Frontmann der Band Wishbone Ash, brachte es auf den Punkt. „Wir haben hier zwei phantastische Konzertabende vor toller Kulisse und bei schönem Wetter erlebt. Es hat richtig Spaß gemacht.“ Die 1935 erbaute Zonser Freilichtbühne erlebte am vergangenen Wochenende wieder Rock-Nostalgie pur. Insgesamt 1.800 Zuschauer, die aus weiten Teilen Deutschlands und vereinzelt sogar aus Großbritannien gekommen waren, feierten die Rock-Giganten Manfred Mann´s Earth Band, Slade und Martin Turner´s Wishbone Ash.
Den inzwischen fünften Konzert-Doppelpack hatten erneut die Dormagener City-Buchhandlung und das städtische Kulturbüro mit der Merziger Künstleragentur Kultopolis organisiert. Das Kassenhäuschen konnte am Auftakttag geschlossen bleiben. Sämtliche 990 Karten für den Auftritt von Manfred Mann´s Earth Band waren bereits im Vorverkauf abgesetzt. Der Alt-Rocker, der im Oktober das 71. Lebensjahr vollendet, präsentierte sich in Zons in blendender Verfassung. Er und seine Band begeisterten mit Hits wie „Blinded by the light”, „For you”, „Davy´s on the road again” und der Zugabe „Mighty Quinn“. Wer der König am Keyboard ist, zeigte Mann mit seiner ungewöhnlichen Solo-Version der Beatles-Nummer „Hey Jude“. Ebenfalls besonders stark: Bandmitbegründer Mick Rogers mit mehreren Gitarrensoli, insbesondere bei „Don´ t kill it Carol“, und Schlagzeuger Jimmy Copley.
Mit „We´ll bring the house down“ eröffnete die Glam-Rock-Band Slade ihr viel umjubeltes Konzert. 800 Zuschauer erhoben sich vom ersten Takt an von ihren Plätzen und feierten das britische Quartett für leidenschaftlich dargebrachte Klassiker wie „Far far away“, „Run run away“, „Cum on feel the noise“ und die Ballade „My oh my“. Als „special guest“ fungierte an beiden Abenden Martin Turner´s Wishbone Ash. Das sympathische Quartett punktete nicht nur mit zwei blitzsauberen Auftritten und ihren Songs „The king will come“, „Warrior“ und „Blowin´ free“. Martin Turner und seine drei Bandkollegen sammelten auch mit ihrem höflichen Auftreten Sympathiepunkte. Die Musiker gaben sich publikumsnah, erfüllten jeden Autogrammwunsch und stießen nach den Konzerten mit den Musikfans an.
Für die perfekte Ton- und Lichttechnik sorgten die Spezialisten des Dormagener Unternehmens coma media. „Es war ein hervorragendes Wochenende ohne Zwischenfälle. Die ganze Arbeit hat sich gelohnt, wenn man die Begeisterung auf der Bühne und auf den Rängen sieht“, zog Hauptveranstalter Jorgos Flambouraris von der Dormagener City-Buchhandlung zufrieden war. Zusammen mit dem städtischen Kulturbüro richtet er nun den Blick auf das kommende Jahr. Welche Bands dann nach Zons kommen, steht jetzt noch nicht fest. „Doch sicher ist, dass wir weiter machen und auch im August 2012 wieder zwei Rock-Konzerte mit Musikgruppen internationalen Formats veranstalten“, erklärt Flambouraris.
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