Historische Fassade des ehemaligen jüdischen Bethauses wird restauriert

Es ist eines der eindrucksvollsten Gebäude in der Dormagener Stadtmitte und zugleich eines der geschichtsreichsten. Die Fassade des ehemaligen jüdischen Bethauses an der Kölner Straße 127 wird in den kommenden Wochen denkmalgerecht instandgesetzt.

Das Gebäude mit seiner aufwändig gestalteten Straßenfront aus Tuffstein stammt aus dem Jahr 1912. Errichtet wurde es von der jüdischen Familie Gottschalk. Im Dachgeschoss befand sich eine Betstube, die unteren Etagen dienten als Wohn- und Geschäftsräume. Unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft musste das Haus 1938 von seinen Eigentümern verkauft werden, vermutlich infolge der zunehmenden Judenverfolgung. An seine ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner erinnern zwei „Stolpersteine“ im Straßenpflaster. Grete Gottschalk, geborene Feldheim, wurde 1938 deportiert und 1942 im Lager Zamość ermordet. Karl Gottschalk überlebte den Holocaust durch seine Flucht in die USA.

Mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen lässt die heutige Eigentümerfamilie Allard die Gebäudefassade in Abstimmung mit den Denkmalbehörden umfangreich restaurieren. Lose Teile werden dabei befestigt und fehlende Stücke an Zierquadern und weiteren Schmuckelementen ersetzt. Die Fensterbänke aus weichem Sandstein müssen aufgrund altersbedingter Schäden ebenfalls instandgesetzt und teilweise ausgetauscht werden. Nach abschließender Reinigung wird die Fassade wieder in ihrer ursprünglichen Gestaltung sichtbar sein.

Das ehemalige Bethaus steht seit 1994 unter Denkmalschutz. „Das Gebäude ist ein wichtiger Bestandteil der jüdischen Geschichte Dormagens und zugleich ein bedeutendes Zeugnis der Stadtbaugeschichte. Sein Erhalt trägt dazu bei, die Erinnerung an die jüdische Vergangenheit unserer Stadt auch im heutigen Stadtbild sichtbar zu bewahren“, sagt Bürgermeister Erik Lierenfeld. Neben seiner Tuffstein-Fassade verfügt das Gebäude im Innern über Stuckdecken, Jugendstil-Fliesen und kunstvoll gestaltete Türen. „Dass die denkmalgerechte Instandsetzung nun umgesetzt werden kann, ist deshalb auch für das Erscheinungsbild der Kölner Straße und der Fußgängerzone von großer Bedeutung“, so Lierenfeld weiter.