Vor wenigen Tagen sind die „Panzerknacker“ in ihr Gehege im Dormagener Tannenbusch eingezogen. Die beiden griechischen Landschildkröten sind vom Veterinäramt beschlagnahmt worden. Ihr Vorbesitzer hatte die Tiere vernachlässigt und schlecht gehalten. Besonders eines der beiden Tiere leidet unter Rachitis. Dieser Kalziummangel – vor allem im Zusammenspiel mit zu wenig Sonnenlicht – führt zu einer Verformung des Panzers. Im Tannenbusch können die beiden Schildkröten nun regenerieren. Unter den Bäumen besitzen sie nun ein großes Gehege, das allen Anforderungen an die Haltung der Reptilien gerecht wird.
Bei den beiden Landschildkröten handelt es sich um ältere Tiere. Jedoch können Landschildkröten 70 bis 100 Jahre alt werden. Sie sind wechselwarme Tiere, das heißt, sie benötigen Wärme, um Energie zu produzieren. Deshalb sind im Gehege an mehreren Stellen größere Steine zu finden, auf denen sich die Reptilien sonnen können. Haben sie genug Wärme gespeichert, werden sie aktiv und erkunden ihre Umgebung. Zum Abend hin bewegen sich die Schildkröten dementsprechend weniger.
Auch wurde der alte Hühnerstall umgebaut: Das Dach besteht nun aus einer Plexiglasscheibe. So können die Schildkröten auch in ihrem Haus Sonne tanken. Zudem gibt es im Außenbereich einen Sandkasten, in dem sie buddeln und Eier ablegen können. Sollte es im Sommer zu heiß werden, spenden kleine Büsche Schatten. Ihren Winterschlaf hingegen werden sie im benachbarten Schutzhaus verbringen. Dies muss noch hergerichtet werden.
Landschildkröten ernähren sich vor allem von Salat und Gemüse, aber auch Schnecken und Mehlwürmern. Obst hingegen ist wegen des hohen Zuckergehalts sehr schlecht für die Tiere, auch süßere Gemüsesorten wie Tomaten tun ihnen nicht gut. Die Panzer von Insekten hingegen sind gute Kalziumquellen, die wichtig für die Schildkröten sind.
„Die Schildkröten sind auch ein Gewinn für den Tierpark. Denn unsere Auszubildenden haben die Möglichkeit, sich nun auch hier mit Reptilien, ihrer Haltung und Pflege zu beschäftigen und direkt am Tier zu lernen“, erläutert Tierpflegemeister Deniz Schünke. „Die Haltung von Schildkröten ist zudem eines der Themen in der Abschlussprüfung.“ Seit fünf Jahren bildet der Tierpark Tannenbusch jetzt Tierpfleger aus. Derzeit gibt es zwei Auszubildende und eine Jahrespraktikantin, die im Sommer ebenfalls ihre Ausbildung im Tierpark Tannenbusch beginnen wird. Alle drei kümmern sich um die Tiere und somit auch um die Schildkröten.
In den kommenden Wochen werden voraussichtlich noch mehr Schildkröten dazukommen, die ebenfalls beschlagnahmt wurden. Somit wird die Gruppe der „Panzerknacker“ noch wachsen. Dabei ist jedoch zu beachten: Es dürfen keine Schildkröten privat im Tannenbusch abgegeben werden. Der Tierpark erhält die Tiere ausschließlich über Tierheime, Auffangstationen und Organisationen.
Im Tannenbusch leben neben den Schildkröten auch rund 150 Säugetiere und weit mehr als 50 Wasser- und Hühnervögel. Dazu zählen unter anderem Enten, Schweine, Ziegen, Schafe und Esel sowie Hirsche, Rehe, Luchse, Waschbären, Vikunjas und Pferde, aber auch Greifvögel sowie seit kurzem auch Feuersalamander. Der Tierpark Tannenbusch wird von der Stadtbad- und Verkehrsgesellschaft Dormagen betrieben. Alle Tiere – bis auf die Salamander – sind Eigentum der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.
Wer den Tierpark Tannenbusch besuchen möchte, kann dies täglich von 8 bis 20 Uhr machen. An Sonn- und Feiertagen wird eine Parkplatzgebühr von 3 Euro erhoben. Der Eintritt in den Tierpark ist kostenlos.