„Wir haben alle etwas davon, wenn unsere Straßen und Wiesen sauber gehalten werden“

Mit Udo Mrosek spazieren zu gehen, kann dauern. Dies liegt nicht daran, dass der 74-Jährige nicht mehr gut zu Fuß ist. Im Gegenteil. Der Hackenbroicher dreht nahezu täglich seine Runde durch die Nachbarschaft. Dennoch bleibt er alle paar Meter kurz stehen, um Zigarettenkippen, kleine Verpackungspapierchen oder benutzte Taschentücher mit seiner Greifzange aufzuheben. Denn Mrosek ist Flächenpate. Er sorgt für Sauberkeit auf den umliegenden Wegen rund um sein Haus. Udo Mrosek ist einer von rund 85 Menschen in Dormagen, die ehrenamtlich in ihren Vierteln mehrmals wöchentlich ihre Runden drehen und achtlos Weggeworfenes aufsammeln. 

Es gibt zwei Runden, die der Rentner regelmäßig abläuft. Die „kleine Runde“ von rund 1,5 Kilometern, für die er ungefähr 45 Minuten benötigt, geht er jeden Tag. Die „große Runde“ von sechs Kilometern bis runter zur K18, am Krankenhaus vorbei und über die Feldwege läuft er alle vier Wochen. Gerade in den Grünstreifen und an einem kleinen Platz mit Bänken findet er den meisten Müll. Besonders nach dem Wochenende. Obwohl ein Mülleimer direkt neben den Bänken steht, liegen keine zehn Meter entfernt rote Pommesverpackungen, Getränkeflaschen und Zigarettenpackungen auf dem Boden.

„Es ist wichtig, den Müll zeitnah zu beseitigen, denn wo Müll liegt, kommt Müll dazu“, sagt Udo Mrosek. Deshalb hat sich der Hackenbroicher vor 15 Jahren dazu entschieden, mitzuhelfen. In der Regel ist am Ende seiner Route ein 10-Liter-Eimer voll. „Es kommt aber auch vor, dass hier Mobiliar, sogar ganze Küchen, abgelagert werden. Dann informiere ich die Technischen Betriebe“, sagt er. Auf die Frage, was er Kurioses gefunden hat, fallen ihm gleich mehrere Dinge ein: Ein 500-Liter-Aquarium und ein Schwangerschaftstest. 

In seinem Viertel ist Mrosek schon bekannt. Nicht nur als hilfsbereiter Nachbar, sondern auch in seiner Funktion als Flächenpate. Es wurde schnell ein „Müllnetzwerk“ daraus. „Die Nachbarn, vor allem die Hundebesitzer, die ebenfalls jeden Tag den Weg laufen, unterstützen mich und heben ebenfalls Kleinigkeiten auf. Wenn es jedoch größere Müllansammlungen gibt, informieren sie mich“, berichtet der 74-Jährige. „Wir haben hier eine starke Gemeinschaft im Viertel. Da hilft man sich gerne gegenseitig. Und wir haben alle etwas davon, wenn unsere Straßen und Wiesen sauber gehalten werden.“ 

Auch wird er immer mal wieder gefragt, wie man Flächenpate wird. Dann verweist er an die Abteilung Bürgerbeteiligung und Bürgerengagement, die im Hackenbroicher Bürgerhaus sitzt. „Eine kurze E-Mail oder ein Anruf reicht, dann erhält man seine Ausstattung mit Eimer, Greifzange, Handschuhen und Warnweste (für die dunkle Jahreszeit) und legt los“, zählt Mrosek auf. „Auch gibt es keine Mindestanzahl an Wegen, die man ablaufen muss. Jeder, der Interesse hat, geht so viel, wie es seine Zeit hergibt. Jede helfende Hand zählt.“

Udo Mrosek ist gebürtiger Dormagener. Vor rund 40 Jahren zog er mit seiner Familie aus der Stadtmitte nach Hackenbroich. Hier hat er sich bestens in das Viertel integriert. Neben seiner Aufgabe als Flächenpate verbringt er viel Zeit mit seinen zwei Enkeln, reist gerne und hält seinen Garten in Schuss. Um sich fit zu halten, besucht er zudem zweimal wöchentlich das Fitnessstudio und spielt regelmäßig Boule.   

Wer Interesse hat, sich ebenfalls als Flächenpate zu engagieren, meldet sich bei Jutta Warstat telefonisch unter 02133 257 3011 oder per E-Mail an jutta.warstat[@]stadt-dormagen.de. Anschließend können die Materialien im Bürgerhaus Hackenbroich abgeholt werden.

„Ich mache die Aufgabe sehr gerne. So habe ich immer einen Grund, mal vor die Tür zu kommen und genieße die Zeit draußen im Viertel. Dabei treffe ich immer Bekannte oder Nachbarn, tausche mich aus und hebe ganz nebenbei Müll auf“, sagt Mrosek. „Das ist für mich selbstverständlich. Haben wir das nicht alle so als Kinder gelernt?“