Großes Interesse am Dialogabend nach Todesfall von Yosef

Rund 70 Bürgerinnen und Bürger sind der Einladung der Stadt Dormagen gefolgt und haben am Donnerstagabend, 19. März am Dialogabend mit Chefarzt Dr. Hapfelmeier im Bürgerhaus Horrem teilgenommen. Die Veranstaltung wurde nach dem tragischen Todesfall von Yosef organisiert, um Raum für allgemeine Fragen, Austausch und Einordnung rund um das Thema Gewalt unter Kindern und Jugendlichen zu bieten.

Das große Interesse zeigte sich insbesondere an der intensiven Beteiligung: Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, um Fragen zu den Hintergründen von Gewalt unter Jugendlichen zu stellen und ihre Sorgen und Gedanken zu äußern. Dabei ging es unter anderem um mögliche Ursachen von Gewalt, gesellschaftliche Entwicklungen und Präventionsmöglichkeiten. Das Dialogformat ermöglichte einen offenen Austausch zwischen Bürgerschaft, Fachleuten und Vertreterinnen und Vertretern der Stadt, vor allem aus dem Jugendamt. Konkrete Fragen zum Einzelfall Yosef wurden an diesem Abend nicht beantwortet. Die Stadt machte deutlich, dass dies aus Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen und den Schutz der Beteiligten nicht möglich ist. 

Als fachlicher Experte ordnete Chefarzt Dr. Hapfelmeier (Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Forensischer Gutachter, Kinder- und Jugendsuchtmedizin) zentrale Aspekte aus kinder- und jugendpsychiatrischer Sicht ein und erläuterte, wie Gewalt entstehen kann und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen können. Trotz aller Präventionsmaßnahmen seien solche Taten allerdings nie komplett zu verhindern. „Nach der abgeschlossenen psychiatrischen Diagnose und fachlichen Einschätzung der Jugendhilfe sollten die betroffenen Personen das optimale Unterstützungsangebot erhalten. Leider ist dies nicht immer möglich, da die Ressourcen begrenzt sind“, betonen Dr. Hapfelmeier und Mike Wetzel, Amtsleiter Kinder, Jugend, Familien und Schule.

„Es war uns wichtig, Verunsicherung aufzugreifen, Orientierung zu geben und den Menschen Raum für ihre Fragen und Sorgen zu bieten. Auch wenn wir zum konkreten Einzelfall keine Antworten geben konnten, war der offene Dialog ein wichtiger Schritt, um das Thema gemeinsam zu beleuchten und den Zusammenhalt in Dormagen zu stärken“, zieht Bürgermeister Erik Lierenfeld ein positives Fazit. „Wir werden solche Formate wiederholen, da uns dieses Thema als Stadtgesellschaft noch einige Zeit beschäftigen wird und wir den Bedarf der Bürgerinnen und Bürger sehen, sich untereinander auszutauschen.“